In der aktuellen Ausgabe des Unerzogen-Magazins (Heft 1-20) schreibt unser Vereinsmitglied Harald Krisa im Interview über das Netzwerk der Freilerner, die Entstehung, die gemeinsamen Ziele, die Herausforderungen bei unserer Arbeit uvm.

Ein Auszug aus dem Interview:

[…] Welche Frage würden Sie gerne gestellt bekommen und beantworten?
Die Frage würde lauten: Wollen Sie tatsächlich die Schule abschaffen und alle jungen Menschen zu Freilernern machen? Und die Antwort wäre: Nein, auf gar keinen Fall! Freilernen oder nennen Sie es informelles Lernen, Unschooling, Self-directed Learning, Frei-sich-bilden oder wie auch immer Sie wollen – erfordert eine neue Haltung und ist mehr als ein Bildungskonzept. Im Mittelpunkt steht der junge Mensch, der das Recht hat, ernst genommen zu werden und selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen. Man darf ihn nicht gegen seinen Willen zwingen, jeden Tag an einem bestimmten Ort zu verbringen, mit Menschen, die er sich nicht ausgesucht hat, um Dinge zu tun, die andere ihm auftragen. Wahlfreiheit ist ein grundlegendes Recht, das selbstverständlich jeder Erwachsene hat, junge Menschen bis zu einem bestimmten Alter aber nicht. Wir können das mit einer einzigen Maßnahme, die immense positive Auswirkungen auf unser Bildungssystem und unsere gesamte Gesellschaft hätte, verändern: Wir müssen den jungen Menschen nur die Wahlmöglichkeit geben und ihnen den Schulbesuch freistellen. Was wäre das für eine Erleichterung für die geplagten Lehrer und Lehrerinnen! Endlich hätten sie es mit Menschen zu tun, die freiwillig da sind und sich für das Gebotene interessieren. Freie Lernorte würden wie Pilze aus dem Boden schießen, Begeisterung, Eigeninitiative und Interesse stünden wieder im Vordergrund. Menschen finden zueinander und unterstützen sich gegenseitig, Lernende und Lehrende tauschen sich aus und erweitern ihren Horizont, Unternehmungen entstehen, neue Berufe entwickeln sich, eine neue Arbeitswelt kann sich etablieren, es geht viel mehr um Kooperation als um Konkurrenz! Nicht nur die Jungen, sondern alle Menschen werden ermutigt, neue Wege zu gehen und ihre speziellen Gaben und Talente blühen zu lassen!
Ich höre schon die Einwände: Ja, aber…
Ja, ich weiß: Erst müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen, das meiner Meinung nach ohnehin früher oder später kommen wird. Aber diese Welt ist möglich, davon bin ich felsenfest überzeugt! Und Freilerner können schon heute als Vorbilder dafür angesehen werden, denn ihre Begeisterung und Kreativität sind einfach ansteckend!
Ich meine, dass das Recht auf Bildung so wichtig ist, dass wir endlich beginnen müssen, in diese Thematik eine gewisse Ernsthaftigkeit hineinzubringen. Kein Mensch käme auf die Idee, das Recht auf Mobilität durch eine verpflichtende jährliche Bahnreise nach Paris sicherzustellen. Das wäre ja absurd! Oder wäre es etwa sinnvoll, das Recht auf Arbeit durch Zwangsarbeit umzusetzen? Im Bildungsbereich wird aber genau das gemacht! Warum? Kann das damit zusammenhängen, dass wir Kinder nicht als vollwertige Menschen betrachten?

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