15. September 2018 – internationaler Tag der Bildungsfreiheit.
Und ich frage mich einmal mehr (wie bei so vielen anderen „Tagen der/die/des … “ auch) warum es einen eigenen dafür braucht. Warum es (sie) nicht selbstverständlich ist. Die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen. Seinen Platz zum Lernen und „Wissen aneignen“ zu finden.
Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Es ist gut, dass es Aktionen gibt, um die Menschen aufmerksam zu machen. Ob an diesem oder jedem anderen Tag ist egal – ob in Bezug auf das freie, selbstbestimmte sich Bilden, ob auf das Abändern von vorhandenen Bildungssystemen und -strukturen oder schlicht und einfach auf das Überdenken althergebrachter Ansichten in Bezug auf das Lernen junger Menschen. Hier geht es letztendlich nicht darum GEGEN etwas zu sein. Oder gar dafür einzutreten, dass Schulen bzw. Orte abgeschafft werden, wo Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden (sollten).
Es geht eben nicht darum grenzenlose Freiheit zu fordern …

– die es defacto nicht gibt, weil es natürliche Grenzen – oder nennen wir es der Einfachheit halber Begrenzung – in unserem natürlichen Dasein einfach gibt. Bildungsfreiheit bedeutet letztendlich nicht, die kleinen Menschen sich selbst zu überlassen und verantwortungslos mit ihrem Bedürfnis nach Wissensaneignung und Entwicklung umzugehen. Ganz im Gegenteil. Bildungsfreiheit bedeutet, wählen zu können und die Freiheit zu haben hier wirklich – individuelle – „Räume“ erschaffen zu können, um jedes einzelne Wesen optimal fördern und begleiten zu können. Um jedem einzelnen Individuum die Chance einzuräumen, seinen Weg zu finden und dadurch in die eigenen Größe und Stärke zu kommen. Und um das Optimum der eignene Fähigkeiten dadurch ausschöpfen zu können.
Und in eben diesem Zusammenhang dürfen wir erkennen, dass die meisten Schulen diesen Wachstumsraum nicht bieten. Das sie zwar Wissen mehr recht als schlecht vermitteln, aber auf eine Art und Weise, die nicht nachhaltig ist und die, die Freude am Lernen raubt. Auf eine Art und Weise, die den heranwachsenden, jungen Menschen eben nicht in seine Größe und Stärke kommen lässt, sondern ihn klein hält.

Denn konstruktive Kritik schafft eben auch Möglichkeiten. Schafft die Basis für ein Miteinander – sofern die Bereitschaft aller da ist, hier wirklich im Sinne der (jungen) Menschen zu handeln.
Und ja, wir dürfen natürlich auch die Frage stellen, was das Wohl des Kindes – von dem so oft und gerne gesprochen wird – eigentlich ist. Was und vor allem wer definiert dieses Wohl und welche Kriterien werden dafür herangezogen? Kann es das Wohl des Kindes sein, „klein“ gehalten zu werden (ob nun bewusst oder unbewusst ist im Grunde egal)? Kann es das Wohl des Kindes sein, sich fortwährend einer Überprüfung seiner Entwicklung unterziehen zu müssen? Wäre es für einen aufmerksamen Begleiter nicht ganz selbstverständlich möglich, ENTWICKLUNG ohne Überprüfung zu erkennen und wahrzunehmen? Aber natürlich auch: Kann es das Wohl des Kindes sein, vollkommen sich selbst überlassen zu werden? Keine Begleitung oder Orientierung zu bekommen?
Spätestens an diesem Punkt sollte uns allen klar werden, das das Thema Bildungsfreiheit sich im Grunde nicht abgrenzen lässt von der gesamten Begleitung junger Menschen und der Beziehung/Bindung, die wir zu ihnen aufbauen und halten. Bildung bzw. das Entwickeln des Geistes, das sich Entfalten und in die eigene Größe und Stärke kommen ist untrennbar mit der Bindung und Beziehung zu einem oder mehreren reifen, erwachsenen Menschen im Nahraum des Kindes verbunden. Weshalb Bildungsfreiheit so viel mehr Fragen und Themen beinhaltet mit denen wir uns beschäftigen sollten. Allen voran der Frage, was kleine Menschen wirklich brauchen.
Eine Frage über der wir – wieder einmal – bei uns selbst landen und somit bei der Frage, wer wir für die jungen Menschen sein wollen.

Und zu guter Letzt, dürfen wir uns Gedanken darüber machen, warum derartige Tage überhaupt notwendig sind und wo wir als Menschheit gelandet sind, um derartige (und andere – schließlich ist es ja nicht nur die Bildungsfreiheit, auf die mittlerweile aufmerksam gemacht werden muss) Tage notwendig zu machen.
Wir dürfen uns Gedanken darüber machen, warum wir die Selbstverständlichkeit unseres Seins und Wachsens in Frage stellen. Warum es nach wie vor Länder gibt, in denen Menschen das Recht auf die freie Wahl des Bildungsweges genommen wird?
Warum es nach wie vor in fast allen Ländern üblich ist, das sich Weiterentwickeln, das Aneigenen von Wissen fortwährend zu forcieren, zu überprüfen und zu beurteilen? Warum nicht alles daran gesetzt wird jedem Individuum das Optimum für seinen Entwicklung und Reifung zu bieten – abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse. (Und nein, das wäre kein zu großer und nicht zu bewältigender Aufwand, sondern bedürfte schlicht und einfach Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und die Abwendung von althergebrachten, nie sinnvoll gewesenenen Bildungssystemen und dafür das Schaffen von Räumen und Möglichkeiten.)
Und warum so viel Zeit und Energie darauf verwendet wird, das Außen perfekt zu gestalten, wir im Innen aber immer noch mit althergebrachten, furchtbaren Systemen arbeiten (die wohlgemerkt nicht oder nur spärlich verändert bzw. oberflächlich verschönert werden) in denen sich -ebenfalls wohlgemerkt – weder die jungen Menschen wohl fühlen, noch jene Menschen, die damit arbeiten „müssen“.
Denn wenn schon, dann müssen wir auch erkennen, dass es ja nicht nur die Eltern sind, die nach Veränderung schreien, sondern seit Jahren auch viele, viele Pädagogen die in und mit diesem System arbeiten müssen. Pädagogen, die nicht müde werden darauf zu pochen, dass sich nun doch endlich etwas ändern muss ….
Wir aber auch endlich erkennen müssen, dass wir Veränderung nur MITEINANDER schaffen können. Wenn wir den Mut haben ein Stück näher zusammen zu rücken. Den Mut haben uns gegenseitig zuzuhören (statt uns zu diffamieren und zu bekämpfen). Den Mut haben im Miteinander und in dem uns einenden Bedürfnis das Optimum für die jungen Menschen zu erschaffen unsere Stärke zu erkennen.
Und genau dafür sind solche Tage wie der heutige, dem internationalen Tag der Bildungsfreiheit mit all seinen Aktionen unendlich wichtig. Genau dafür ist es wichtig – aufzustehen und unermüdlich darauf AUFMERKSAM zu machen, dass sich nun endlich etwas ändern darf – heute und an jedem anderen Tag! Für die jungen Menschen, für unsere Töchter und Söhne … aber auch für uns. Als Eltern. Als Erwachsene. Als MENSCHEN, die erkennen dürfen, dass sie von Vielfalt und Miteinander nur profitieren können.

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