Aus der Sommerpause zurück startet das ORF-III-Büchermagazin mit einem brisanten Thema und hochkarätigen Gästen: Autor Andre Stern, Schuldirektorin Andrea Walach und Philosoph Konrad Paul Liessmann diskutieren über Bildung in unserer Zeit.

André Stern hat nie eine Schule besucht und trotzdem spricht er mehr als sieben Sprachen auf Muttersprachenniveau. Er ist der Ansicht, dass Spielen und Lernen untrennbar miteinander verbunden sind. Bei „erLesen“ erzählt er, welche Erfahrungen er gemacht hat, in seinen Büchern beschreibt er, warum er erfolgreich ist.

„Das Spiel ist für das Kind die direkte Art, sich mit dem Alltag, mit sich und der Welt zu verbinden. Für Kinder ist das freie Spiel ein Bedürfnis. Eine Veranlagung, ein Hang, oft ein Drang. Es ist für das Kind eine tiefe Erfüllung“, ist André Stern überzeugt. Der Sohn des Malers Arno Stern wurde nicht beschult, das bedeutet, er erhielt auch keinen häuslichen Unterricht. Eindrucksvoll konnte man sich im Dokumentarfilm „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer ein Bild dieser Kindheit machen. Warum er trotzdem „gebildet“ ist und welche Fehler wir alle immer noch in unserem Bildungsdenken machen, stellt er beeindruckend in der Sendung zur Schau.

Philosoph Konrad Paul Liessmann hat sein aktuelle Buch „Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung“ mitgebracht. Er prangert den Verfall jeglicher humanistischer Bildung an. „Unsere Kinder werden nur mehr „ausgebildet“, sie haben zu „funktionieren“, es werden Kompetenzen statt Bildung vermittelt, Fachidioten sind „in“. Es zählt nur mehr das, was monetären Nutzen bringt. Ein Mensch, der sein ganzes Leben lang kein Shakespeare-Stück gesehen hat, ist ein armer Mensch“, entrüstet er sich.

Andrea Walach, Direktorin einer Neuen Mittelschule in Wien, bekam vom Bildungsministerium einen Maulkorb verpasst, weil sie bemängelte, dass ein Drittel ihrer Schüler wegen massiver Deutschprobleme „leider nicht vermittelbar“ sei. Sie erzählt von traumatisierten Flüchtlingskindern, Kindern aus bildungsfernen Schichten, die kaum deutsch sprechen können. Die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, ist mittels Evaluierung der Kompetenzen mittlerweile gelebte Realität.