I love my life

Meine achtjährige Tochter singt lautstark im Radio mit. „Mein Lieblingslied!“, ruft sie fröhlich. Die Zeiten, in denen ich wusste, wer gerade in den Charts und somit überall zu hören ist, sind lange vorbei, aber sie kennt sich aus, kann mühelos den Text mitsingen. Sie findet ihn übrigens sehr schön, sagt sie, denn sie liebt ihr Leben ja auch. Sehr, sagt sie.
Erst vor kurzem hat genau das auch mein fast zwölfjähriger Sohn zu mir gesagt, mit einem tiefen Seufzer und einer festen Umarmung bekräftigt. Und einem nachgeschicktem „Ich lieb dich auch, Mama!“. Klaro, das lässt Mutterherzen schmelzen und ist schon fast schwülstig, wenn es mich nicht auch so froh machen würde, das zu hören.
Jeden Tag erlebe ich meine Kinder, sehe wie sie sich entfalten, entwickeln, sich begeistern und neugierig ihre Welt erkunden. Das Freilernerleben ist oft wunderschön, bereichernd, spannend, aufregend. Aber genauso oft ist es auch anstrengend, nervig, chaotisch, laut. Es bleiben oft nur wenige Minuten am Tag, um mich selbst zu spüren, überhaupt hören zu können, was ich gerade denke.
Trotzdem ist es das alles mehr als „wert“. Meine Kinder sind tagtäglich glücklich, sie wachsen und blühen und wir mit ihnen. Sie wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, wie sie leben. Sie sind dankbar dafür und das berührt mich sehr.

I am beautiful

Der Zauber des frei sich bildens liegt für mich in dieser unglaublichen Kraft, die freigesetzt wird, wenn jeder gesehen wird in seiner Einzigartigkeit. Wenn es keiner Wertung bedarf, weil alles sein darf. Wie wir uns freuen über die Errungenschaften und die Freude der anderen, ohne Neid und Eifersucht. Wie alle über sich hinaus wachsen, ganz ohne Wettbewerb.
Alle unserer Kinder haben ein unglaublich gefestigtes Selbstwertgefühl. Sie wissen um ihre Stärken, ohne mit ihnen angeben zu müssen. Sie zeigen ihre Schwächen, ohne sich dafür zu schämen. Sie haben nie suggeriert bekommen, dass sie irgendwie falsch sein könnten, so wie sie sind. Sie fühlen sich geliebt, aufgehoben und sicher.
Genau dieses Gefühl braucht es, um empathisch mit anderen Menschen zu interagieren. Um überhaupt stabile, erfüllende Beziehungen führen zu können, muss ich zuerst mich lieben. Ohne wenn und aber. Und genau in dem Punkt hakt es leider bei vielen von uns, denn nur zu oft sind wir mit Drohungen, Ängsten, Zwängen er-zogen worden, um zu funktionieren.
Wer bedingungslose Liebe erfahren hat, der ruht in sich, der braucht keinen Beweis von Außen. Und sind wir uns ehrlich: Wir alle sehnen uns danach, genau so geliebt zu werden, wie wir sind. Denn dann ist alles möglich…

I am free

Die Kinder sind unabhängig von anderen Meinungen. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder jemandem anderen schadet, dann tun sie es nicht. Sie denken selbstständig und hören auf ihre Intuition. Sie sagen auch klar Nein, auch, wenn es unangenehm ist. Sie lassen sich nicht manipulieren.
Das macht sie aber -für manche überraschend- nicht zu egozentrischen Spinnern, sondern zu sehr selbstbewussten, starken Persönlichkeiten, die gleichzeitig ganz voller Neugier und offen in die Welt gehen. Sie sind achtsam gegenüber anderen, ihrer Umwelt und ihren eigenen Bedürfnissen. Sie sind kreativ im Finden von Lösungen, die für alle passen. Meist finden sie ihre ganz eigenen Möglichkeiten.
Genau das ist für mich soziales Lernen.
Zum Schluss verrate ich euch noch was: Jetzt lade ich mir das Lied auch mal runter und dann singe ich es ganz laut mit und tanze dazu, so wild ich kann. Mit meinen vier Glücksbringern. Weil:

I am me

Alles Liebe euch,
K.

Dieser Text ist erstmals auf mitanandahof.com erschienen!